Was geschah

In einer kleinen Küche, in einer kleinen Wohnung in der Bogenstraße 43 in Oldenburg an der Hunte, wurde am 15. Februar 2015 ein Brief an alle künstlerischen Betriebsbüros aller Theater in Deutschland verfasst.

In diesem Brief riefen die Verfasserinnen, Lisa Jopt und Johanna Lücke, zu mehr Vernetzung innerhalb der Theaterlandschaft auf.

Die Reaktionen auf diesen Brief ließen nicht allzu lange auf sich warten:

Viele festangestellte Schauspieler*innen fühlten sich, als wäre ihnen „aus dem Herzen gesprochen worden“. Waren beim Lesen der Zeilen „den Tränen nahe“. Hatten „mehrere Jahrzehnte auf so etwas gewartet.“ Der Grundstein für das ensemble-netzwerk war gelegt worden.

Im Zuge der Dienstreise von Monika Grütters, der Beauftragten der Bundesregierung für Medien und Kultur, schickte das ensemble-netzwerk ihr einen Brief, in dem die Arbeitsbedingungen an den Theatern dargelegt wurden und in dem der Wunsch nach besserer und fairer Bezahlung der NV-Bühne-Angestellten verlautbart wurde.

Bereits einige Monate später fand in Borgholzhausen in der Nähe von Bielefeld die erste „Konferenz Konkret“ zur Rettung des Stadttheaters statt. Verschiedene Theatermacher*innen trafen sich drei Tage in der Pension „Alte Liebe“, um in verschiedenen Arbeitsgruppen und Redebeiträgen zu erörtern, wie man die Bedingungen für Kulturschaffende an den Theatern verbessern könnte. Inspiriert durch die „Konferenz Konkret“ wurde auf der Tagung der Dramaturgischen Gesellschaft am Deutschen Theater in Berlin ein Brief mit Vorschlägen zur Optimierung der Arbeitsverhältnisse formuliert und an den Bühnenverein geschickt. Zur Verdeutlichung seiner Dringlichkeit und Sinnhaftigkeit wurde der Brief in den Maßen ein Meter auf zwei Meter verschickt.

Als Nächstes wurde vom ensemble-netzwerk die „Petition für mehr Gagengerechtigkeit“ gestartet, die viertausendachthundertsechsunddreißig Unterschriften sammelte. Diese Petition wurde zusammen mit genau abgezählten viertausendachthundertsechsunddreißig Gummibären als Unterstützung und Versinnbildlichung an den geschäftsführenden Direktor des Bühnenvereins, Rolf Bolwin, gesandt.

Bis dato wurden vom ensemble-netzwerk drei „ensemble-newsletter“ herausgegeben, in welchen Schauspieler wie Sebastian Rudolph oder Mehmet Sözer, Sören Fenner (artbutfair), Thomas Schmidt, Professor für Theatermanagement in Frankfurt, etc. in Interviews und eigens geschriebenen Artikeln zu Wort kamen.

Vom 27. Bis 29. Mai 2016 war es dann endlich so weit: Die große Schwester der „Konferenz Konkret“, die Erste Bundesweite Ensembleversammlung, lernte laufen. Auf dem Gelände der Halle Beuel in Bonn kamen drei Tage lang über zweihundertfünfzig Schauspieler*innen, Regisseur*innen, Dramaturg*innen, Regieassistent*innen und Intendant*innen aus der gesamten Bundesrepublik, Österreich und der Schweiz zusammen, um eine Reform des Theaters und der damit verbundenen künstlerischen Arbeit einzuleiten.

Am 13. Juli 2016 wurde schließlich der Kreis, der in der kleinen Küche in der kleinen Wohnung in der Bogenstraße 43 in Oldenburg an der Hunte gezogen wurde, geschlossen. In einer großen Küche in einer großen Wohnung in der Chausseestraße in Berlin wurde ein Verein mit dem Namen „ensemble-netzwerk“ gegründet.