4. Bundesweite Ensemble-Versammlung

Kill the Theaterfolklore

Vom 18. bis zum 20. Oktober tagten hunderte von Theaterschaffenden bei der 4. Bundesweiten Ensemble-Versammlung an der Volksbühne Berlin.

 

In den Foyers und Salons der Volksbühne fand über zwei Tage ein großer Bildungscampus statt. Das Themenspektrum war breit gefächert. Von Fragen rund um den NV-Solo über die Relevanz von Kinder- und Jugendtheater bis zum Umweltschutz, Debatten der Macht und des Machtmissbrauches an deutschen Bühnen und viele weitere Angebote. Besondere Aufmerksamkeit lag auf der "Argumentationshilfe bei Stammtischparolen" der Historikerin Marion Wisinger und dem Workshop zur Gagenverhandlung.

 

"Damals in Bonn dachten wir also, wir gründen das ensemble-netzwerk, um an unserer eigenen Abschaffung zu arbeiten, aber mittlerweile ist uns klargeworden: Wir sind gekommen, um zu bleiben. Denn es braucht eine Vertretung der künstlerisch Beschäftigten an den öffentlich geförderten Theatern, es braucht interne Reformprozesse, es braucht gute "Lobbyarbeit" auf politischer Ebene, und zwar durch die Expert*innen, die alle lieben: nämlich durch uns, die Theaterschaffenden. Wir werden bewundert für das, was wir tun. Und das können und sollten wir zu unserem Vorteil nutzen," sagte Lisa Jopt, Vorsitzende des ensemble-netzwerks, in ihrer Eröffnungsrede.

 

Außerdem sprach aus dem Vorstand des Vereins Professor Dr. Thomas Schmidt, der Einblicke in die Studie "Macht am Theater" gab. Auskünfte über die Lebensrealitäten des slowenischen Theatersystems bot die Dramaturgin Urškar Brodar vom Mladinsko Theatre in Ljubljana. Nicht weniger beeindruckend war das slowenische Gastspiel "Hero 2.0", das vom Goetheinstitut Ljubljana unterstützt wurde und den Roten Salon der Volksbühne zum Beben brachte.

 

Abseits des Campus standen regie-netzwerk und dramaturgie-netzwerk den Teilnehmenden Rede und Antwort. Zwischen den Themen der Reformbewegung inszenierte Künstler Simon Hegenberg das Foto-Shooting "Endgame", das u.a. dem Thema Machtmissbrauch eine ästhetische Antwort bot. (Konzept: L. Jopt und S. Hegenberg). Theater- und Filmregisseur Eike Weinreich zeigte seinen Film "UnRuhezeiten".

 

Dem Vorstand des ensemble-netzwerk ist die Symbolkraft der Konferenz am Ensembletheater Volksbühne sehr bewusst. Umso überraschter war man, dass die Chance zu Reform und Erhalt der Ensembletheater nur wenige Mitarbeiter*innen der Berliner Bühnen wahrnahmen.

 

Die 5. Jubiläumsausgabe der nächsten "BEV" soll die größte ihrer Art werden: Die Versammlung wird sich auf die Sparten Oper und Tanz erweitern.